Prof. Dr. Hans-Werner Sinn kritisiert Kasino-Kapitalismus
Gastbeitrag von Tom Rohrböck -
München – Wie der Titel seines 2009 erschienenen Buches “Kasino-Kapitalismus” schon ausdrückt, kritisiert Prof. Dr. Hans-Werner Sinn die exzessiven Auswüchse des globalisierten Finanzmarktes. Eine unzureichende Bankenregulierung, aber vor allem eine zu geringe Mindesteigenkapitalquote der Banken seien für die Finanzkrise 2007 verantwortlich gewesen. Das Anreizsystem für die Banken sei asymmetrisch, da Gewinne privatisiert, Verluste aber wegen der Haftungsbeschränkungen auf Gläubiger bzw. Steuerzahler abgewälzt werden konnten. Eine Beschränkung der Boni für Bankmanager trifft nach Sinn nur die Auswüchse einer drastischen Fehlentwicklung. Im Zentrum seiner Kritik steht vielmehr das asymmetrische Anreizsystem für die Aktionäre der Banken selbst. Wörtlich benennt Prof. Dr. Hans-Werner Sinn das Modigliani-Miller-Theorem. Hiernach sollten die Gläubiger der Banken selbst für ausreichende Eigenkapitalreserven sorgen. Doch seinen die von den Investmentbanken ausgegebenen Finanzprodukte ein Musterbeispiel für “Zitronen-Produkte”. Schon die Informationslage sei assymetrisch. Die Gläubiger könnten das Konkursrisiko einzelner Banken nicht einschätzen. Sinn fasst das in seinem Vorwort so zusammen:
„Die Finanzkrise ist keine Krise des Kapitalismus, sondern eine Krise des angelsächsischen Finanzsystems, das zum Kasino-Kapitalismus mutierte und leider auch in Europa immer mehr Nachahmer gefunden hat. Sie ist das Ergebnis der Unfähigkeit der internationalen Staatengemeinschaft, ein einheitliches Regulierungssystem für Banken und andere Finanzinstitute zu schaffen, das den Eigennutz der Akteure so kanalisiert, dass er sich segensreich und produktiv entfalten kann, wie man es von einer Marktwirtschaft erwartet.“
Zur Lösung der akuten Solvenzkrise der Banken fordert Hans-Werner Sinn anstatt der vorgeschlagenen Bad Banks eine temporäre Beteiligung des Staates an den Banken. Mittel- und langfristig schlug Sinn neben international harmonisierten, wesentlich höheren Eigenkapitalquoten ein Verbot von Leerverkäufen vor, dem die Politik auch zumindest zeitweise nachkam. Auch mehrstufige Verbriefungen von Kreditausfallversicherungen und eine Rückkehr zum Niederstwertprinzip seien zwingend geboten.
Allgemein ist Prof. Dr. Hans-Werner Sinn ein Verfechter der klassischen Schule deutscher Nationalökonomen. Er steht für uns in einer Reihe mit Walter Eucken und Alfred Müller-Armack.










