Der irre Goldrausch
Wie die Flucht aus Finanztiteln eine neue Investitionsblase schürt
München – Auf der Flucht vor Spekulationsblasen am Aktien- oder Anleihenmarkt strömt ein gigantischer Liquiditätsfluss ins Gold. Scheinbar jeder Anleger auf dem Globus glaubt seine Vermögenswerte in das edle Metall retten zu müssen. Gold wurde in den zurückliegenden langen Monaten der Finanzkrise zum scheinbar letzten Hort der Ängstlichen und der Propheten des Weltuntergangs. Doch überlegt ist dieser Hype nicht. Hier baut sich eine Blase auf, die weit mehr Vermögen in den Abgrund reissen könnte, als bei den Immobilienspekulationsblasen in den USA oder Spanien.
Das gelbe Edelmetall feiert historische Höchststände. Seit Jahresbeginn 2010 kletterte der Goldpreis um satte 12 Prozent, und dies gegenüber dem EURO wie gegenüber dem US-Dollar. Selbst in den vergangenen Wochen, in denen Silber, Kupfer und Rohöl am Markt nachgaben, blieb die Nachfrage nach Gold ungebrochen. Das Volumen des größten börsennotierten Goldfonds der Welt, des SPDR Gold Trust, schwoll seit Anfang des Jahres um 16 Prozent auf mehr als 1300 Tonnen des edlen Metalls an. Mehrwertsteuerfreie Münzen wie der kanadische Maple Leaf, der südafrikanische Krügerrand oder der Wiener Philharmoniker gehen in den Banken und Sparkassen so rasch weg, dass die Prägeanstalten längst Extraschichten einlegen müssen.
Doch von einer “Blase” am Goldmarkt möchten die Goldgläubigen nicht sprechen. “Von einer Blase sind wir am Goldmarkt weit entfernt”, äußert sich David Morgan im Morgan Report. Gold erscheint in unsicheren Zeiten die Antwort auf alles. Wann immer negative Nachrichten über den Ticker laufen, sehnt sich die Welt der Reichen nach einem physischen und greifbaren Vermögen. Gold ist ein Misstrauensvotum an die Adresse der Regierungen und der Notenbanken.
Auch wissenschaftlich wird über die reisende Goldnachfrage diskutiert. Professor Meinhard Miegel, der zu Jahresbeginn mit seinem neuen Buch “Exit – Wohlstand ohne Wachstum” gleichfalls ein sehr düsteres Bild für die westlichen Volkswirtschaften zeichnete, sieht im Run auf das Gold eine abzulesende Bankrotterklärung unseres Wirtschaftssystems. Und David Rosenberg, Chefvolkswirt des kanadischen Vermögensverwalters Gluskin Sheff, glaubt am Aufblähen der Bilanzen der US-Fed oder der Europäischen Zentralbank die Vehemenz des Goldrauschs ablesen zu können.
Extrem ist inzwischen auch der Unterschied zwischen Goldpreis und Aktien von Goldminengesellschaften. Beachtet man den Gold-and-Silver-Index der Philadelphia Stock Exchange, der die Börsenkurse von 16 namhaften Goldminengesellschaften widerspiegelt, darunter Barrick Gold oder Anglogold Ashanti, sieht man eine Diskrepanz zwischen steigendem Goldpreis und den eher schwächlenden Bewertungen für die Minengesellschaften. Es ist schlicht kaum vernünftig erklärbar weshalb diese Unternehmen vom Hype auf das Edelmetall abgekoppelt bleiben, es sei denn man versucht die Flucht ins Gold mit Gefühlen und esotherischem Glauben zu begründen.
Stephan Schäfer, Vorstand der S&K Sachwert AG in Frankfurt am Main, möchte nicht recht an den Verheissungen des Goldmarktes glauben. ”L
etztendlich”, so Schäfer, “wird in Gold über alle Maßen spekuliert. Der tatsächliche Bedarf für Industrie und Schmuckherstellung kann solche Marktpreise nicht mehr begründen. Im Gegensatz zu Immobilien oder Grundstücken ist der Goldwert rein vom Vertrauen ins Edelmetall abhängig. Wir investieren mit unseren Fonds gesichert in Grundstücke und Liegenschaften in gesund wachsenden Ballungsgebieten. Die Goldschmucknachfrage in Indien oder der Türkei ist doch eher enttäuschend”.
Und tatsächlich scheint das Angebot aus neuer Goldproduktion und Goldschrott üppig. Mit etwa 1800 Tonnen dürfte der Markt in 2010 überversorgt sein. Begreifen das erst mal die Anleger und kehrt wieder Vertrauen in andere Anlageformen zurück, dürfte die Gold-Hausse ihr Ende finden.











