Lebensversicherer irritiert von staatlichen Eingriffen
Frankfurt am Main – Die deutsche Lebensversicherungsbrache betrachtet die politischen und rechtlichen Rahmenvorgaben hierzulande bereits als Geschäftshindernis. Wie berichtet, hatte neben der Bayerischen Beamtenversicherung auch die Delta Lloyd ihr Neugeschäft in Deutschland eingestellt. Die Victoria folgt zur Jahresmitte. Delta Lloyd hatte diesen Entschluss mit der strikten Regulierung begründet:
Der Verbraucherschutz in Deutschland, die rückwirkende Rechtsprechung der Gerichte und die umstrittene Regel, dass 90 Prozent der verdeckten Überschüsse an die Kunden auszuschütten sind und nur 10 Prozent für die Dividenden der Aktionäre, erlaubten es nicht, risikoadäquate Renditen zu erzielen. So werden die Rahmenbedingungen in den Niederlanden und in Belgien als deutlich attraktiver für die Lebensversicherungsbranche eingeschätzt.
“Die Branche kritisiere”, so Stephan Schäfer, Vorstand der S&K Sachwert AG aus Frankfurt, “dass zu stark in die Geschäftsmodelle der Assekuranzen eingegriffen werde. Die Offenlegung von Vertriebs- und Abschlusskosten, strikte Kapitalanlagevorschriften und die richterliche Entscheidung, Kunden an den stillen Reserven zu beteiligen”, so Schäfer weiter, “schränkten den Gestaltungsspielraum der Lebensversicherer enorm ein.”
Auch Immo Querner, Finanzvorstand der Talanx-Gruppe, betrachtet das Geschäftsumfeld für Lebensversicherer in Deutschland als “wenig einladend”. Norbert Heinen, Vorstandsvorsitzender der Württembergischen Versicherungen, vermisst eine “staatliche Leitidiee zur Altersvorsorgung”. Bei der Bafin sieht man die jüngste Entwicklung noch gelassen. “Marktaustritte sind nur ein Zeichen dafür, dass Unternehmen nicht mehrmit den Leistungen der Konkurrenz mithalten können”, sagt Thomas Steffen, der oberste deutsche Versicherungsaufseher.
Der strengen Regulierung stünde doch auch das für Europa einmalige Angebot gegenüber, mit dem Branchenfonds Protektor jedwedes Insolvenzrisiko für Anleger auszuschließen. Mit Protektor werden Lebensversicherungsverträge auch dann bedient und fortgeführt, wenn es – möglicherweise – die abschließende Versicherungsgesellschaft selbst gar nicht mehr gibt.



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Dr. Thomas Steffen macht einen prima Job beim Bafin. Alle Achtung! Ich denke, wir werden von ihm (ich kenne ihn persönlich) noch viel hören. Ein Fachmann!
Euer Wallenstein