Geschäftsmodelle im Lebensversicherungszweitmarkt sehr unterschiedlich
München – Mit dem Ankauf von laufenden Lebensversicherungspolizzen stiegen vor gut zehn Jahren zuerst angelsächsische Kapital gesellschaften in den deutschen Markt ein.
Dem folgten mit zeitlichem Abstand auch hiesige Anbieter.Die Gesellschaft Cash Life aus dem oberbayerischen Pullach ist inzwischen neben der S&K Unternehmensgruppe/Frankfurt a.M. zur wohl renommiertesten Adresse unter den Lebensver sicherungskäufern in Deutschland geworden. So warb der Schauspieler Sky Dumont (bekannt aus “Derrick”,”Der Alte” und als jung gebliebener Liebhaber in diversen TV-Produktionen) immer wieder für Cash Life,so wie Claus Theo Gärtner (u.a. Detektiv Matula aus “Ein Fall für zwei”) mit “detektivischem Spürsinn” für die S&K Sachwert AG warb.Doch neben diesen bekannten relativen Größen der neuen LV-Zweitmarktbranche tummeln sich auch diverse Anbieter im Markt, die wohl eines Tages ihre Zahlungsversprechen gegenüber den verkaufen den Polizzeninhabern nur bedingt einhalten werden können.
Cash Life und die S&K Unternehmensgruppe kaufen Lebensversicherungskunden, die aus dem Vertrag vorzeitig aussteigen wollen, ihre Polizzen ab und führen diese weiter bis zum Auszahlungsdatum oder lösen sie zuvor schon auf. Der Kunde erhält mehr Geld als ihm der Versicherer mit Kündigung zahlen würde, dennoch rentiert sich das Geschäft für Cash Life, S&K und andere. Mit den Schluss Gewinnzahlungen der Lebensversicherer, in die diversen Modelle fest einkalkuliert, kommen nämlich immer noch Zuschläge aus den Verträgen später rein, die bei einer vorzeitigen LV-Auflösungkaum eine Rolle spielen. Doch dieses Geschäftsmodell ist in den letzten Monaten gekippt.
Denn die Schlussgewinnzahlungen der Lebensversicherer fallen weit geringer aus als erwartet. Nun reagierte zuerst die S&K Unternehmensgruppe und baute den Ankauf von bestehenden LV-Polizzen in rentierliche Auszahlungsverträge um. Doch gerade solche “Verdoppler” (doppelte Auszahlung bei einem über Jahre gestrecktem Zahlungsziel) werden nun in der Fachpresse heftig diskutiert. Was befähigt die Aufkäufer der LV-Polizzen auch zukünftig gegebene Zahlungsversprechen einzuhalten?
Diplom Kaufmann Alois Maier von der in Landshut ansässigen Pacta Invest äußert sich da sehr verhalten. “Ich wäre vorsichtig, wenn mir jemand einen Kaupreis in Raten ausbezahlen wollte.” Und auch das Geschäftsmodell der Pacta Invest zielt auf eine zügige und komplette Ausbezahlung der erkauften LV-Polizzen. “Wir betreiben sozusagen ein Polizzen-Factoring”, äußert sich Alois Maier weiter. “Der Kunde nimmt einen Abschlag in Kauf und erhält im Gegenzug einen etwas geringeren Rückkaufswert. Das Modell rechnet sich durch die Gebühren!”
Stephan Schäfer, Vorstand der S&K Sachwert AG, verspricht seinen Kunden eine weit attraktivere, aber eben rentierliche Auszahlungsvariante. “Wir verstehen uns als großer Immobilienhändler, der so eben seine Umsatzmöglichkeiten ausbaut”, sagt Schäfer. “Hohe Gewinn margen ergeben sich für uns aus dem Ankauf von Mehrfamilienhäusern aus Zwangsversteigerungen und der nachfolgenden Zerlegung und dem Weiterverkauf.” Und tatsächlich ist dieses Geschäftsmodell für Stephan Schäfer und seine Partner zumindest über einen sehr erfolgreichen Zeitraum von zehn Jahren dokumentierbar. Ein auf minimale Margen fixiertes “Rechenmodell der Wettbewerber” hält Schäfer für mittelfristig viel zu riskant. “Letztendlich”, so sagt Schäfer, “ist es um die Bonität einer Unternehmensgruppe immer dann gut bestellt, wenn die nötigen Gewinnmargen auch wirklich satt ausfallen können. Und das ist bei uns der Fall!”
Nun, es ist müßig heute schon vorherzusagen, was in einigen Jahren sein wird. Tatsächlich sollte jeder Verkäufer seiner Lebensversicherungspolizze wissen,dass er immer abwägen muss, ob ihm die rasche und komplette Auszahlung wichtiger ist, oder eben ein attraktiverer, aber rentierlicher Gewinn über Jahre. Diese Rechnung sollte jeder für sich selbst vornehmen.



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