Deutsch ist die Bildungsvoraussetzung

Mario Döweling, MdL, schulpolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion im Hessischen Landtag

Interview mit Mario Döweling, MdL, schulpolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion im Hessischen Landtag

Das Interview führten  Tom Rohrböck

Wiesbaden – Die Koalition aus CDU und FDP steht in Hessen in ihrem zweiten Jahr. Nach fünf Jahren absoluter Mehrheit (ab 2003) unter Ministerpräsident Roland Koch und dem Hängejahr 2008 (Koch oder Ypsilanti?) arbeiten CDU (46 Land tagabgeordnete aus einem Wahlergebnis von 37,2%)und FDP (20 Landtags abgeordnete aus einem Wahlergebnis von 16,2%) recht vertrauensvoll in der ersten Regierung Roland Koch/Jörg-Uwe Hahn zusammen.

Neben Themen rund um den Ausbau des Frankfurter Flughafens, Opel und den in allen Ländern so typischen Scharmützeln rund um die Innenpolitik, ist auch in Hessen vor allem die Schulpolitik ein heiß umkämpftes Themengebiet. Mario Döweling, vor seiner Abgeordnetenwahl selbst Gymnasiallehrer für Geschichte und Erdkunde, ist schulpolitischer Sprecher seiner Fraktion und in diesem Kernthema neben Kultusministerin Dorothea Henzler Stimme seiner Partei.

Rohrböck: Herr Döweling, Sie sind einer der neuen Abgeordneten der FDP im Hessischen Landtag, die durch ein fulminantes Wahlergebnis von 16,2 Prozent in die Abgeordnetentätigkeit hineingespült wurden. Wie ist die Stimmung in der Koalition? Haben sich die Kollegen bei der CDU schon mit der neuen Fraktionsgröße des Koalitionspartners abfinden können?

Döweling: Die Stimmung in der Koalition ist sehr gut. Wir arbeiten vertrauensvoll miteinander und auch der Umgang unter Kollegen ist angenehm. Sicher muss sich die Union noch an die geballte Macht von 20 FDP-Landtags abgeordneten gewöhnen. Doch das werden die Kollegen dort schon schaffen, denn meine Partei macht eine sehr solide Landespolitik, mit der wir uns auch beim nächsten Urnengang den hessischen Wählern selbstbewusst stellen können.

Rohrböck: In der schulpolitischen Diskussion prallen mit dem konservativen Kampf für die Beibehaltung eines dreigliedrigen Schulsystems und den gerade von Grünen vehement ins Feld geführten Forderungen nach Gesamtschulen bildungspolitische Welten aufeinander. Wo dazwischen oder darüber hinaus positioniert sich die FDP?

Döweling: Die FDP steht in Hessen für die Schulvielfalt. Wir wollen keine der bestehenden Schulformen in Hessen bevorzugen oder benachteiligen. Wir haben mit Hauptschulen, Realschulen, Gymnasien,Integrierten- und Kooperativen Gesamt schulen, Förderschulen und der neuen Mittelstufenschule ein breit gefächertes Angebot und damit auch Wahlfreiheit für die Eltern. So ist es aus unserer Sicht gewährleistet,dass für jedes Kind das Angebot gefunden wird, das individuell am besten zu ihm passt. Gleichzeitig bedeutet das einen Wettbewerb im positiven Sinne, da die verschiedenen Schulen ja an vielen Orten durchaus in Konkurrenz um die Schülerinnen und Schüler zueinander stehen. Dadurch wird sich die Qualität der Bildungsangebote aus Sicht der FDP langfristig  erhöhen!

Rohrböck: Gut ein Viertel eines jeden Nachwuchsjahrgangs geht unserer Gesellschaft aufgrund mangelnder Bildung verloren.Wie kommen wir da und aus der Bildungssackgasse “Hauptschule” heraus?

Döweling: Nur durch ein stärkeres Engagement in die frühkindliche Bildung kann es uns gelingen, gleiche Startchancen für alle Kinder zu schaffen und dafür zu sorgen, dass kein Kind unverschuldet zurückbleibt. Dabei müssen klare Standards festgesetzt werden, die ein Kind erfüllen muss, um erfolgreich an der Grundschule teilzunehmen. Das Beherrschen der deutschen Sprache ist dabei unabdingbar für den Bildungserfolg. In einem Schulvorbereitungsjahr, wie es uns in Hessen vorschwebt, werden alle Kinder individuell gemäß der Fähigkeiten, die sie mitbringen und der möglichen Defizite, die sie noch haben, gefördert. Die Hauptschule ist keine Bildungssackgasse. Die Anschlussfähigkeit an andere Schulformen und Abschlüsse ist und muss natürlich auch weiterhin gegeben sein. Dabei müssen wir in der Hauptschuldidaktik auf neue Konzepte mit stärkerer individueller Förderung und praxisorientierten Konzepten wie
z. B. SchuB-Klassen setzen, wie es Hessen schon seit einiger Zeit tut. Auch Konzepte wie die “Neue Mittelstufenschule”, die Kultusministerin Henzler kürzlich vorgestellt hat, sind nach diesen Prinzipien aufgebaut.

Rohrböck: Sie sprachen das unabdingbare Beherrschen der deutschen Sprache an. Halten Sie es nicht sogar für zwingend erforderlich, dass an den Grundschulen und auch in einem schulvorbereitenden Jahr sehr konzentriert gerade Deutsch und Rechnen den ABC-Schützen beigebracht wird?

Döweling: Wir haben in Hessen bereits das verpflichtende Kinder-Sprach-Screening (KISS), das die Sprachfähigkeit und Beherrschung der deutschen Sprache feststellt. Das ist der absolut richtige Weg, der aus unserer Sicht auch im Rahmen eines einzuführenden Schulvorbereitungsjahres weiter beschritten werden sollte. Das Beherrschen der deutschen Sprache ist die Grundvoraussetzung für das Teilnehmen an Bildungsangeboten und deren Erfolg. Natürlich sollte auch das Heranführen an Rechenaufgaben und Grundzüge der Mathematik im Rahmen dieses Konzeptes bedacht werden, denn erwiesenermaßen muss die frühkindliche Bildung und vor allem die Schnittstelle Kindergarten/Grundschule gestärkt werden. Dabei muss die Umsetzung natürlich kindgerecht erfolgen, mit spielerischen Phasen als Ausgleich.
Schließlich haben die Kinder neben dem Recht auf Bildung auch noch das Recht zum “Kindsein”!

Rohrböck: Herr Döweling, ich bedanke mich, für das Gespräch.

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