Wie gelingt die Refinanzierung der Finanzkrise?

E-Mail-Tax wäre sinnvoller als eine Börsenumsatzsteuer

Frankfurt am Main – In einer Denkschrift skizziert Stephan Schäfer, Vorstand der S&K Real Estate AG, seine Überlegungen zur Refinanzierung der Finanzkrise. 

Foto: Elke Handke/pixelio.de

Seit Monaten grübeln die Finanzpolitiker im In- und Ausland über Refinanzierungsmöglichkeiten nach den enormen Kosten der internationalen Finanzkrise. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als auch der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy (UDF) tendieren inzwischen dazu eine modifizierte und durch den US-amerikanischen Nationalökonomen James Tobin bereits 1972 vorgeschlagene Tobin-Tax auf Börsenumsätze einzuführen.

Und spinnen wir seine ablehnenden Begründungen einmal durch, dann gilt:

Steuern sind immer dann besonders effizient, wenn man sich Ihnen nicht entziehen kann. Geld und Vermögende sind mobiler als Grundbesitz, Häuser und Arme. Daher ist es wenig sinnvoll, beim Kapital und bei den Reichen anzusetzen. Dies ist eine logische wenn auch sozial bedenkliche Überzeugung.

Es ist effizient Konsum, Arbeitseinkommen und Immobilien zu besteuern. Die Tobin-Tax aber – eine Steuer auf Finanztransaktionen – ist dagegen nicht wirklich effizient, da Börsengeschäfte problemlos überall auf dem Globus durchgeführt werden können. Es wäre leicht, Standorte mit einer Tobin-Tax zu umgehen.

Die Tobin-Tax ist einfach eine unpraktikable Idee! Sie würde sowohl die Kosten als auch die Schwankungsanfälligkeiten des Devisenhandels deutlich erhöhen und mächtig Sand ins Getriebe des globalen Finanzsystems streuen. Nicht gut!

Zudem verursacht die Tobin-Tax selbst bei vergleichsweise niedrigen Sätzen enorme Kosten, denn die Marktmacher arbeiten nur mit sehr geringen Margen. Eine Steuer würde es deutlich teurer machen, eine aus dem Gleichgewicht geratene Position durch Hedging-Trades wieder abzusichern. Dadurch dürfte die Liquidität verschwinden und die Volatilität, also die Schwankungsanfälligkeit der Devisenkurse, nähme zu.

Die meisten seriösen Befürworter einer Tobin-Steuer geben auch zu, dass sowohl die Volatilität als auch die Kosten der Finanzmärkte durch diese anstiegen: Eines der Ziele solcher Weltverbeserer ist ja auch durchaus “Sand ins Getriebe” einer gut geölten Marktmaschine zu streuen. Aber warum sollte man es unterstützen, den weltweiten Marktmechanismus weniger effizient zu machen?

Gibt es nicht eine andere Art die Staatseinnahmen zu verbessern? Wie wäre es beispielsweise mit einer Mini-Steuer, die Absender von E-Mails je Empfänger bezahlen müssen und die vom Server des Absenders erhoben wird. Mit den E-Mails haben sich die postalischen Kosten der Unternehmen und auch der Privatverbraucher zur alten Post enorm vergünstigt. Hier liegt ein Ansatz. Zudem würde dies den Versendern von sogenannten “Spam-Mails” den eigenen Unfug arg verteuern. Eine solche Steuer könnte nicht umgangen werden. Das Internet bliebe trotz der minimalen Besteuerung die deutlich attraktivere Alternative zu anderen Nachrichtenformen.

Und eine solche Steuer wäre eine enorm ergiebige Einnahmenquelle für angeschlagene Staatshaushalte.

Spam hat keinen gesellschaftlichen Nutzen, dagegen der Devisenhandel und die internationalen Börsenumsätze schon. Deshalb sollten wir Ersteres und nicht Letzteres besteuern.

Erinnern wir uns an diese Überlegungen wenn wieder ein gutmenschelnder, aber fehlgeleiteter Weltverbesserer eine Tobin-Steuer vorschlägt.

Doch nun geht kein geringerer als IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn (Parti socialiste) auf Abstand zu diesen Überlegungen: “Zu kompliziert, und zu leicht umgehbar”, waren dabei seine Worte.

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars6 Stars7 Stars8 Stars9 Stars10 Stars11 Stars12 Stars13 Stars14 Stars15 Stars16 Stars17 Stars18 Stars19 Stars20 Stars (41 votes, average: 16,10 out of 20)

Loading ... Loading ...

4 Kommentare

  1. Phantom sagt:

    Die Idee einer E-mail-Steuer hat auf den zweiten Blick einen gewissen Charme. Bei einer durchaus erträglichen Besteuerung von sagen wir 3-5 ct je E-Mail kämen für den Fiskus Milliardenbeträge rein. Auch die Verwaltung diser Steuer wäre einfach und damit kostengünstig.

  2. Wallenstein sagt:

    Das ist keine schlechte Idee. Schön, dass sich die Herren Unternehmenslenker auch mal Gedanken darüber machen wie unser Allgemeinwesen finanziert werden kann.
    Kompliment Herr Schäfer!

  3. Waltschrat sagt:

    Ich denke es währe besser das gesammte Wirtschaftssystem zu überdenken,einfach hier und das etwas Lack ausbessern reicht nämlich schon lange nicht mehr aus.Aber genau das ist ja Königsmord!!!!

  4. Tim Lieven sagt:

    Erst einmal ist es eine recht findige Idee gerade die neuen Medien in die Besteuerung mitaufzunehmen. Unsere Art der Besteuerung auf Arbeit und Leistung ist doch recht antiquiert. Wo bleibt beispielsweise die Google-Tax?

    Ich pflichte Herrn Wissler bei, dass wir einen fiskalisch sinnvollen Weg finden müssen, um auch das Geld an sich in Umlauf zu halten und es bei Hortung und Spekulation zu belasten. Dennoch sollte man beachten, dass solche Lösungen und Neuausrichtungen nur im internationalen Konsens möglich sind. Zumindest für den EURO-Raum müsste eine einheitliche Lösung gefunden werden.