3. März 2012 – 17:46:21 | 0 Kommentare

von Tom Rohrböck -
Berlin – Der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch ist nicht nur ein bundesdeutscher Politiker der besonders sympathischen Art, er ist auch ein Fachmann der Nationalökonomie … und damit eine echte Rarität im Deutschen Bundestag. …

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Angst um Griechenland?

Verfasser: am 6. März 2010 – 16:31:234 Kommentare

Vieles ist nur eine Hollywood-Show!

Foto clipdealer.com

Athen / Frankfurt am Main — Seit Wochen bestimmt die Finanzkrise in Griechenland die europäische Medienlandschaft. Kein Tag vergeht, an dem nicht neue Spekulationen um griechische Staatsanleihen, den Euro oder das ach so fragile Europa durch die Gazetten jagen. Und bei allen Strukturproblemen, die Europas südöstlichste Flanke derzeit aufzuarbeiten hat, gilt es doch etwas gelassener mit dem Thema umzugehen. Wir sollten den Hedge-Fonds-Managern nicht schon wieder auf den Leim gehen!

Sicherlich ist die volkswirtschaftliche Ausgangslage Griechenlands prekär. Aber dem bisherigen Krisenmanagement von Premier Giorgios Papandreou müssen wir so langsam unseren Respekt aussprechen. Der Mann bekennt sich ganz offen zur desolaten Lage seines Landes und sucht Lösungen für seine Hellenen und für Europa. Diese werden hart sein. Doch am Anfang steht nun mal die Wahrheit. Wer erwartet hatte, Papandreou versuche mit einer verbalen Hetze gegen Brüssel und/oder Berlin die Flucht nach vorn anzutreten, hat sich geirrt. Papandreou zeigt Format! Damit findet er unseren Beifall.

Doch werfen wir hier weniger einen Blick auf die griechische Politik,sondern beäugen wir mal in aller Ruhe das Spiel einiger Finanzmarkt-Jongleure in London und New York:

Diese Damen und Herren gehen gewagte, hochgehebelte Wetten ein, und wennes gut geht, kassieren sie neben üppigen Gebühren noch satte Erfolgsbeteiligungen. Läuft aber etwas schief, sind die Kapitalgeber ganz schnell wieder die Dummen — und damit die kreditgebenden Banken.

Wieder mal lassen wir uns in Europa von vermeintlich analytisch denkenden Grünschnäbeln der Wall Street und der Londoner City etwas vormachen. Es ist dabei für uns nur ein Rätsel am Rande, warum die größten europäischen Vermögensverwalter den Nonsens von wertlosen Kapitalmarkstudien aus der angelsächsischen Welt überhaupt noch ernst nehmen.

Die hier verbreitete Hysterie über Griechenland und den EURO hat sicher einen fein lancierten Hintergrund in einer gepflegten Zusammenkunft,vulgär “Sause”, einiger Hedge-Fonds-Freunde im Universum der Wall Street. Einem Gordon Gecko gleich wollte man wohl beim Abendessen das Schicksal der paneuropäischen Valuta besiegeln. Die Medien sollten zuerst Griechenland pleite schreiben um dann Spekulanten die Chance zu geben, fulminant auf das Auseinanderbrechen der EURO-Zone wetten zu können. Griechenland war dabei nur das zufällige Mittel zum Zweck.

Verkauft Griechenland seine Aushängeschilder? /Foto: Viola Wunderlich/pixelio.de

Nun erklären uns die hochbezahlten Analysten der Wall Street doch schon längst, dass die angebliche Schrottwährung EURO tot sei. Aber wie kann es sein, dass für die europäische Währung satte 1,38 US$ zu zahlen sind, wenn die Kaufkraftparität laut OECD-Analysen bei 1,17 US$ je Euro liegen soll? Und weshalb müssen gar die Briten gut 0,90 ihres geliebten Pfunds für einen EURO hinblättern, wenn es der Kaufkraftparität gemäß doch nur 0,775 Pfund sein sollten?

Natürlich ist der EURO keine perfekte Währung, doch er ist offensichtlich viel stabiler als uns das so einige Heuschrecken weismachen wollen. Der eigentliche Grund für den Schlamassel der Weltfinanzkrise ist, dass die Zentralbanken mit zu billigem Geld den Karren vor die Wand gefahren haben. Und dass sie die Konjunktur jetzt selbst mit Nullzinsen und Blankoschecks höchstens noch zu stabilisieren vermögen. Wäre es anders, hätten wir im EURO-Raum kein unlösbares Problem: Anders als in den ersten EWU-Jahren (George Soros und das britische Pfund lassen grüssen!) würde die EZB die Zinsen so setzen, dass diese in realer Betrachtung für Mitteleuropa zu niedrig und für Südeuropa für zu hoch empfunden würden, was im Mittel die mitteleuropäische Inlandsnachfrage im Verhältnis zur südeuropäischen beflügeln dürfte und so mit der Zeit Handelsungleichgewichte innerhalb des EURO-Raums abnehmen müssten.

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Faktum ist auch, dass die USA insgesamt in einer weit schwächeren Lage verharren als Europa. Die Sparquote der US-Amerikaner hat sich mit einem satten Minus von 3,2 Prozent katastrophal entwickelt. Das weitgehend desindustrialisierte Land, dessen nichtfinanzielle Sektoren Schulden von 243 Prozent des Bruttoinlandsprodukts angehäuft haben, ist folglich noch nicht mal mehr in der Lage den Kapitalstock aus eigener Kraft zu erhalten. Pleite!

Und die Gordon Geckos der Wall Street können ja ruhig mal weiter versuchen, den EURO-Dollar-Kurs gen Parität zu treiben. Wir sollten uns nicht über die von den Angelsachsen lancierten Horrormeldungen über Griechenland etc. beeindrucken lassen. Die Herrschaften täuschen nur an und kochen mit Wasser. Man beachte: Die deutschen Exportrekorde konnten noch mit einem Währungsverhältnis von 1,60 US$ für jeden EURO erzielt werden. Mit einem spekulativ “geschwächten” EURO-Kurs würden die deutschen, niederländischen und französischen Exportunternehmen wohl aus ihren US-amerikanischen oder britischen Konkurrenten Kleinholz machen. Und vielleicht wäre das mal genau das Richtige. Denn so könnte die ganze Welt — und hier insbesondere die ach so aufgeregten Herren und Damen der Journalie – mitanschauen, wie sich die tollen Produktiviätsstatistiken der USA als das herausstellen, was sie sind: eine billige Hollywood-Illusion!

In New York und in London möchte man uns eben mit einer Show dazu bewegen, den USA und Großbritannien weiterhin Güter für wertloses Papier zu liefern. Güter, die sie in Ermangelung eigener Kenntnisse gar nichtmehr selbst herstellen können.

Gordon Gecko ist nackt! Jedem weitersagen.

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4 Kommentare »

  • Patriot sagt:

    An der Griechenland-Problematik wird deutlich, warum der Euro ein Todesurteil für Europa sein kann:

    Die großen Länder wie Frankreich oder Deutschland müssen die schwachen Länder wie Griechenland oder Spanien stützen. Damit kommen die Großen teilweise selbst in erhebliche Probleme. Ohne Deutschland würde die Euro-Zone bspw. einen nicht so hohen Wert haben bzw. der Euro wäre weiterhin so schwach, wie am Anfang diesen Jahrtausends.

  • Michael Münch sagt:

    Griechenland wird nicht das einzige Land sein das wankt,nur können die anderen es im Moment noch besser verbergen.Die Frage ist nur wie lange noch………………….

  • Dr. rer. oec. Tim Lieven sagt:

    Griechenland steht nicht aufgrund mangelnder Wettbewerbsfähigkeit vor der womöglichen Pleite, sondern weil sich die Bonität der Hellenen dank des EURO enorm verbessert hat. So konnte sich das Land problemlos verschulden und bekam auf EURO Kredite, die es für die chronisch abwertungsbedrohte Drachme niemals bekommen hätte. Griechenlands Probleme resultieren aus dem desolaten Staatshaushalt. Als Mitglied der EURO-Zone konnte sich die frühere Regierung des Mittelmeerlandes bequem hoch verschulden. Und dass diese damalige Regierung bereit war, für ihre Schulden höhere Zinsen zu bezahlen, haben große institutionelle Anleger aus dem EURO-Raum genutzt, um ihre Renditen aus dem Geschäft mit Staatstiteln zu verbessern.
    Explizit strömen aufgrund der gewaltigen Aussenhandelsüberschüsse der Deutschen und Niederländer Kapitalmengen in die europäischen Banken, die nach einer Geldanlage in EURO suchen, ohne dafür nur die niedrigen Zinsen für deutsche Staatsanleihen zu erhalten. Griechenland war das attraktive Ziel. Und noch heute glauben die Anleger und Spekulanten, dass es ein Geschäft sein kann sich in Deutschland in EURO billig zu verschulden, um dieses Geld mit Aufschlag an Griechenland weiter zu reichen. Einen Totalausfall via Staatsbankrott wird sich der EURO-Raum schon nicht leisten, oder?

  • Gerald Wissler sagt:

    Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende !

    Natürlich werden Merkel und Co. Griechenland nicht bankrott gehen lassen, aber Italien, Irland und Spanien stehen ja auch noch in der Warteschleife zum Staatsbankrott.

    Die Deutschen sind nicht die hellsten und wählen immer wieder die Parteien, die ihnen die Probleme eingebrockt haben. Aber irgendwann ist auch beim Dümmsten das Ende der Fahnenstange erreicht, und wenn zuviele Länder am deutschen Tropf hängen kann dieses Ende schneller kommen als man denkt.

    Interessant wird es dann zu sehen, welche Konsequenzen die Deutschen bei Wahlen daraus ziehen.

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